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Keine Welt ohne Herausforderungen

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Über Spielverderber und Stolpersteine

Ökonomisches Taktieren, Industriespionage, Sanktionen und Importzölle – globale Spannungen lassen sich derzeit kaum aus dem Weltbild retuschieren. Der Blaue Planet könnte bereits deutlich nachhaltiger gestaltet sein, doch Interessenkonflikte verschleppen die Anpassungsprozesse und kurzfristiges Denken verhindert häufig perspektivische Ausrichtungen.

Die Post-Corona-Zeit hält diverse Herausforderungen bereit, wirft einige Fragen auf und lässt die rosarote Brille ab und an beschlagen. Wir haben allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken, sollten aber die globalen Baustellen nicht ausser Acht lassen und Stolpersteine aus dem Weg räumen.

China – Überholversuch zur Riesenökonomie

Während Europa noch über einheitliche Impfpässe grübelt, hat sich die chinesische Wirtschaft wieder in den Sattel geschwungen und steuert im Galopp auf die Zukunft zu. Als einzige große Volkswirtschaft hat China trotz Pandemie das Jahr 2020 mit einem positiven Wachstum von 2,3 Prozent abgeschlossen – derweil müssen die USA ein Minus von 3,6 Prozent verzeichnen. Für 2021 sieht der neue Fünfjahresplan des Reichs der Mitte gar ein Wirtschaftswachstum von über sechs Prozent vor. Die technologische Unabhängigkeit gegenüber der westlichen Welt soll ein Punkt der Agenda sein, um im heimischen Markt einen Primärkreislauf entstehen zu lassen und die Partnerstaaten noch enger zu binden. Der Blinker für den Überholvorgang der einstigen Wirtschaftsmacht USA ist gesetzt und in den kommenden Jahren soll ordentlich beschleunigt werden – vom strategischen Partner zum strategischen Konkurrenten.

Spannungsgeladene Aussichten

Die Spannungen zwischen diesen beiden Nationen liegen spätestens seit der Trump-Ära spürbar in der Luft. Die USA erkennen in den Handlungen Chinas eine Bedrohung der globalen Stabilität. Die Menschenrechtsverletzungen in Hongkong und die Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang bewegten sogar die EU dazu, nach mehr als 30 Jahren wieder Sanktionen aufgrund der Verletzung der Grundrechte gegen China zu verhängen. Im extrem dynamischen Indo-Pazifik-Raum stärken die USA derzeit ihren Einfluss, um Chinas Hoheitsansprüchen entgegenzutreten und das demokratische Taiwan zu unterstützen. Die Volksrepublik betrachtet den Inselstaat als Teil des eigenen Territoriums und nutzt den taiwanischen Luftraum und Seeweg für militärische Machtspielchen. Auf Kollisionskurs in der strategisch wichtigsten Region der Welt?

Auch die Überwachung des eigenen Volkes mittels geplanter Sozialkreditsysteme und Ausspähung sowie Zensur des Internetverkehrs durch Projekte wie „Goldener Schild“ werden von den westlichen Staaten äußerst kritisch betrachtet. China missfällt diese „Einmischung in innere Angelegenheiten“ und möchte stattdessen lieber zeitnah die US-Importzölle wegverhandeln – doch auch der neue Präsident Biden beanstandet die unfairen Handelspraktiken und den Diebstahl geistigen Eigentums. Die schwelenden Beschuldigungen beidseitiger Cyberangriffe schaukelten sich in jüngster Vergangenheit zusehends hoch und gipfelten unlängst in einem Hackerangriff auf die Microsoft-Mail-Software Exchange. Der Konzern identifizierte staatliche chinesische Stellen als Drahtzieher und in Expertenkreisen spricht man von 30.000 betroffenen US-Unternehmen sowie mehreren Hunderttausenden Opfern auf der ganzen Welt. Ein angespanntes Verhältnis voller Anschuldigungen und Misstrauen zweier Staaten, die ihre Muskeln spielen lassen und den Fokus fast ausschließlich auf das Eigeninteresse legen. Und zwischendrin die EU – wirtschaftlich abhängig von China und im transatlantischen Beziehungscomeback mit den USA. Eine globale Herausforderung für die kommenden Jahre.

Kurzfristigkeit zu Kurz gedacht

Häufig begegnete uns in den letzten Monaten die Redewendung „Fahren auf Sicht“. Die Marschroute für eine außergewöhnliche Zeit, in der Vorhersagen über wenige Wochen hinaus schlichtweg nicht möglich waren. Wenn wir unvorbereitet sind, fahren wir also auf Sicht, müssen schnell entscheiden und oftmals das geringere Übel wählen. Per se ist es menschlich, kurzfristig zu denken, gar evolutionär bedingt: Wer möchte schon von einem Löwen gefressen werden, nur weil die Aufmerksamkeit nicht im Hier und Jetzt lag? Wenn wir aber Krisen und Veränderungen frühzeitig antizipieren, sollte es uns doch gelingen, zu agieren, statt nur zu reagieren. Nun ja, die Politik scheint weitestgehend auf Kurzfristigkeit spezialisiert, obgleich zukünftige Herausforderungen häufig über Wahlperioden hinausreichen. Es gibt noch zu viele Unternehmen, die vom Status quo profitieren, keine Veränderungen vornehmen und nicht an morgen denken möchten. Der Mensch sieht gerne unmittelbare Resultate – präventives Denken fällt da schwer. Wenn wir heute CO2 emittierende Brennstoffe stoppen, endet der Klimawandel nicht sofort. Es mag unangenehm sein, heute schon Transaktionskosten für noch nicht direkt erkennbare Folgen zu tragen, aber noch unangenehmer wird es sein, wenn Auswirkungen des Nichthandelns auftreten. Auch die Millennials schieben wichtige Entscheidungen gerne mal auf die lange Bank. So sorgt die Hälfte der jungen Menschen im Alter von 18 bis 32 Jahren noch nicht fürs Alter vor. Etwa 40 Prozent fühlen sich entweder noch zu jung oder das Thema liegt noch zu weit in der Zukunft und wird vorerst gekonnt ignoriert – Augen zu vor den finanziellen Folgen.

Lobbyismus und Subventionen – Die alte Welt wehrt sich

Der IWF bläst nun ins gleiche Horn wie lange Zeit die Klimaschutz-Expert*innen und fordert, die Subventionen für fossile Brennstoffe zu beenden und eine grünere, gerechtere Wirtschaft für die Zukunft zu schaffen. Eine Mammutaufgabe, schätzt der IWF doch die Subventionen für diesen Industriebereich auf gigantische USD 5.2 Billionen im Jahr 2017, was 6,5 Prozent der Weltwirtschaftsleistung entspricht. Aberwitzige Zuschüsse für Kohle-, Öl- und Gaskonzerne, die für 65 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich sind. Diese hätten laut IWF ohne die Subventionen 28 Prozent niedriger sein und die durch Umweltverschmutzung verursachte Sterblichkeit hätte halbiert werden können. Da begrüßt man das verabschiedete US-Rettungsprogramm „Build Back Better“ in Höhe von USD 1,9 Billionen zur Förderung der Nachhaltigkeit in den Sektoren Infrastruktur und Energiewirtschaft umso herzlicher. Die Interessengruppen verfolgen hingegen bisher das Ziel, uns möglichst lange von fossilen Energieträgern abhängig zu machen. Die alte Welt möchte klimafreundliche Maßnahmen verzögern und versperrt folglich der neuen Welt den Weg zu notwendigen Veränderungen – in diesem Fall zum Nachteil der erneuerbaren Energien. Auch der Verbrennungsmotor tangiert noch eine zu große Interessengemeinschaft und bremst die Elektromobilität aus, während die Agrarlobby noch immer eine flächendeckende Kehrtwende hin zur umweltschonenden Landwirtschaft verhindert.

Was lernen wir daraus?

Erstens: Kurzfristige Profitmaximierung ist eine schlechte Strategie für langfristigen Erfolg. Zweitens: Politische oder unternehmerische Praktiken auf Kosten der Gesellschaft oder Umwelt fordern früher oder später ihren Tribut. Und drittens: Disruption manifestiert sich am deutlichsten dort, wo krampfhaft an veralteten Strukturen festgehalten wird. Die gleichen Maßstäbe setzt Globalance bei der Geldanlage an: Nur Investments, welche rigorose Kriterien für Zukunftsfähigkeit, positive Wirkung und finanzielle Resilienz erfüllen, gehören ins Depot.