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Per Zeitreise durch die Wirtschaft

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Morgen ist wenig wie heute und nichts wie gestern

Würden wir eine Zeitreisende – nennen wir sie Pia – losschicken, könnten wir wohl den Wandel der Wirtschaft leichter verstehen. Es ist kein Geheimnis mehr, dass sich die Wirtschaft in der jungen Vergangenheit grundlegend verändert hat. Pia hätte einige Unternehmen mit den derzeit höchsten Börsenwerten vor zehn Jahren noch überhaupt nicht am Aktienmarkt entdeckt.

Damals noch nicht einmal kotiert, kratzen und knacken sie heute die Bewertungsmarke von 1 Billion Dollar – völlig neuen Organisations- und Vertriebsformen sei Dank. Uber hat keinen eigenen Fuhrpark, Airbnb keine Hotels und Facebook produziert keine Inhalte. Das immaterielle Kapital von Apple ergibt sich z. B. aus geistigem Eigentum, Wertschöpfungsketten und Markenpflege. Das Schöne daran: Immaterielle Prozesse können zu minimalen Zusatzkosten ausgebaut werden, sind fast unbegrenzt skalierbar und lassen sich zu neuen Geschäftsmodellen entwickeln, wodurch ein großes Potenzial an Synergien entsteht. Pia kauft sich 1975 die Zeitung und liest im Börsenteil, dass 83 Prozent des Unternehmenswerts aus Maschinen und anderen materiellen Anlagen besteht. Heute ist es genau umgekehrt: 90 Prozent des Werts eines Unternehmens sind immaterieller Natur. Im selben Artikel liest Pia auch, dass sich die durchschnittliche Lebensdauer der börsennotierten Unternehmen in diesem Zeitraum von 34 auf 17 Jahre halbiert hat. Anleger*innen müssen heute umdenken – die Welt hat sich verändert.

„The Great Reset“

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) fordert einen wirtschaftlichen Neustart für eine nachhaltigere und widerstandsfähigere Zukunft. Die Corona-Pandemie sei in seinen Augen ein geeigneter Zeitpunkt, um die globale Wirtschaft neu auszurichten. Aber lag der intensive Geruch von Aufbruchsstimmung nicht bereits lang vor Corona in der Luft? Würden wir Pia die Pandemie überspringen lassen, würde sie wohl einfach die Fortsetzung eines langjährigen Trends erkennen. Die Krise hat diesen Stein nicht ins Rollen gebracht, ihn aber erheblich beschleunigt. Unternehmen, die in den vergangenen Jahren geschlafen haben, wurden spätestens jetzt unsanft geweckt. Andere hingegen haben die Segel schon lange zuvor in Richtung Zukunftsfähigkeit ausgerichtet, den Wind des digitalen Fortschritts berechnet und die Leinen der alten Welt gelöst.

So sind bspw. einige Hersteller von Baumaterialien bereits deutlich innovativer als häufig angenommen. Sie entwickeln zunehmend technologisch anspruchsvolle Lösungen, welche ihre Branche grüner und zukunftsfähiger machen. Die Firma STEICO widmet sich z. B. komplett der Produktion ökologischer Holzbausysteme und Dämmlösungen für Fassaden und Dächer – ideal gerüstet für den Trend der energetischen Sanierung. Auch das japanische Unternehmen Taisei war besonders erfinderisch und hat einen Beton entwickelt, der mehr Kohlendioxid absorbiert, als bei der Produktion entsteht – eine negative Kohlenstoff-Bilanz für eine Produktion, die bisher für acht Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich war. Mit den Ideen von morgen im Gepäck, die notwendige Transparenz an Bord und den Blick auf die Natur gerichtet, geht es rücksichtsvoll voran. Weniger ein Neustart, sondern vielmehr ein Durchstarten der Zukunftbeweger.

Quantensprünge so weit das Auge reicht

Während Nanotechnologinnen Werkstoffen verbesserte Eigenschaften verleihen, der Wasserstoff-Fortschritt beschleunigt wird, neuromorphe Chips künstliches Sehen und Riechen ermöglichen und Elon Musk neuen Schwung in die Raumfahrt bringt, drehen auch TRUMPF und SICK gemeinsam am Technologie-Rad. Der Laserspezialist und der Sensorhersteller machen im Bereich der Quantensensoren gemeinsame Sache. Bisher war das lediglich etwas für Forscherinnen und Science-Fiction-Autor*innen, bald aber auch etwas für die Industrie. Erste erfolgreiche Tests haben gezeigt, dass der Sensor Partikel messen kann, die ein fünftel Mikrometer groß sind – 200-mal kleiner als ein menschliches Haar. So kann beispielsweise in der Pharmaindustrie die ideale Zusammensetzung von Tabletten-Pulver ermittelt oder Feinstaubgrenzwerte in U-Bahnen kontrolliert werden. Das zu TRUMPF gehörende Start-up Q.ANT beschäftigt sich zudem mit weiteren Einsatzmöglichkeiten der Quantentechnologie und hofft, bereits in fünf Jahren ein winziges Gerät zur Hirnstrommessung geschaffen zu haben, welches die Steuerung elektronischer Geräte mit den eigenen Gedanken möglich macht. Das exponentielle Wachstum an aufkeimenden Möglichkeiten ist für uns Menschen schwer zu greifen, aber richtig kanalisiert kann es uns in Zukunft vieles erleichtern.

Für klare Verhältnisse

Das junge Unternehmen ECOFARIO möchte mit seinem Kunststofffilter „High-G-Separator“ Mikroplastik aus den Gewässern entfernen. Nach einem Prototyp ist nun die erste Pilotanlage in Betrieb und erzielt beachtliche Ergebnisse. Noch in der Kläranlage wird das verschmutzte Abwasser mit der Power, die dem 2.000-Fachen der Erdanziehungskraft entspricht, durch den Filter rotiert – Rückständen von Waschmitteln sowie anderen Haushaltsprodukten wird folglich der Eintritt in Flüsse, Seen und Bäche verwehrt. In nur einem Durchgang können bereits über 84 Prozent der Teilchen herausgefiltert werden und in einem weiteren Durchgang erhöht sich das Resultat sogar auf 95 Prozent.

Eine schöne Nebenwirkung: Medikamentenrückstände, Toxine und Hormone finden über das Mikroplastik ebenfalls den Weg aus dem Wasser. ECOFARIO möchte im besten Fall Ende des Jahres in Serie produzieren – die Natur wirds freuen und Pia wird in zehn Jahren hoffentlich eine weitere Erfolgsstory zu verkünden haben.