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Ein Blick in die Zukunft der Wissens- und Arbeitswelt

4 min

Der Footprint bewegter Frauen mit Dr. Sarah Genner

Wir blicken auf eine erfolgreiche Veranstaltung mit Dr. Sarah Genner zurück – Ein digitales Event über den Megatrend „Bildung und Wissensgesellschaft“. Der Footprint von Frauen in der Welt ist signifikant – sei dies durch ihr gesellschaftliches Engagement, ihren Beruf oder die Verwaltung ihres Vermögens. Der aktuelle Digitalisierungsschub wird unsere Arbeits- und Berufswelt in den nächsten Jahren mehr denn je verändern. Gemeinsam mit Frau Genner beschäftigten wir uns mit den Fragen: Was heisst dies für uns und unsere Kinder? Welche Kompetenzen sind in Zukunft gefragt? 


Dr. Sarah Genner ist Medienwissenschaftlerin, Digitalexpertin und Dozentin. Ihr Spezialgebiet sind die Auswirkungen digitaler Technologien auf Mensch, Gesellschaft und Arbeitswelt. Sie ist als Brückenbauerin zwischen Wissenschaft und Praxis unterwegs. An der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften forschte und lehrte sie von 2010 – 2018 zu Mediennutzung, Medienpsychologie und Digitalisierung der Arbeitswelt. Von 2014 – 2015 war sie Gastforscherin am Berkman Klein Center for Internet and Society der Harvard University. Ihre Dissertation ON | OFF zu den gesellschaftlichen Auswirkungen des mobilen Internets gewann 2016 den Mercator Award der Universität Zürich. Seit 2018 ist Dr. Sarah Genner freischaffende Wissenschaftlerin, Dozentin und Keynote Speakerin. Sie ist Gastdozentin an verschiedenen Hochschulen wie der Universitäten Basel und St. Gallen, HWZ, ZHAW und ETH und verfasst regelmässig Beiträge zu Digitalthemen für die NZZ, NZZ am Sonntag, SWI swissinfo.ch und weitere. An der Pädagogischen Hochschule Zürich hat sie den Lehrgang CAS Digital Leadership in Education aufgebaut und geleitet. Sie ist Mitglied der SRG Bildungskommission, Verwaltungsrätin der Feinheit AG, Beirätin am Institute for Digital Business der HWZ, assoziiertes Mitglied der Digital Society Initiative der Universität Zürich und ehrenamtliches Gründungs- und Vorstandsmitglied von AlgorithmWatch Switzerland. Weitere Details zu Dr. Sarah Genner finden Sie auf www.sarah.genner.cc.


Die vielen spannenden Fragen der Teilnehmenden, welche während der Veranstaltung gestellt wurde, sollen nicht unbeantwortet bleiben, weshalb wir diese Hier zum Nachlesen für Sie zusammengestellt haben.


Q&A mit Dr. Sarah Genner

Wie stellt sich Ihre Verbindung zur Globalance Bank/Bankenwelt dar?

Die engste Verbindung zur Bankenwelt ist meine Beziehung als Bankkundin. Mein Grossonkel war einst an der Entwicklung des Postkontos beteiligt. Als 18-Jährige jobbte ich direkt nach der Matura drei Monate für 24 Franken pro Stunde im Investmentbanking einer Schweizer Grossbank. Das war eine surreale Erfahrung in einer hektischen Wallstreet-Atmosphäre, in der nur das schnelle Geld zu zählen schien. Globalance übernimmt – soweit ich das beurteilen kann – gesellschaftliche und globale Verantwortung wie man sich das eigentlich von jeder Bank wünschen würde.

Wie können wir Ihrer Meinung nach angesichts der immer schlechter werdenden psychischen Gesundheit die emotionale Intelligenz von Kindern am besten fördern?

Wir müssen uns klar machen, dass nicht nur Kinder und Jugendliche leiden, sondern auch Erwachsene. Eltern sollten auf ihre eigene emotionale Stabilität genauso achten wie auf jene der Kinder, denn diese hängt oft sehr direkt von den Eltern ab. Wir leben in einer individualistischen, leistungsorientierten Erfolgsgesellschaft, die auf Äusserlichkeiten wie ein gutes Image und Materielles ausgerichtet ist. Dabei rücken existenzielle und spirituelle Fragen wie jene nach Lebenssinn, persönlicher Entwicklung und guten Beziehungen in den Hintergrund. Ich bin überzeugt, dass wir alle davon profitieren, wenn wir uns mit Positiver Psychologie oder Formen von Spiritualität auseinandersetzen. Dankbarkeit beispielsweise können wir auch mit Kindern bereits üben, indem wir jeweils abends mit ihnen besprechen, was an diesem Tag gut war. Das hilft ihnen und uns, den Fokus auf dem emotional Nährenden zu behalten. Ausserdem sollten wir meines Erachtens Kindern mehr Raum für freies Spielen ermöglichen. Für Kreativität und Flow-Erlebnisse sind Muße und Langeweile nämlich eine Voraussetzung.

Was ist der Unterschied zwischen Wißen, Lernen und Verstehen und wie wichtig ist Intelligenz?

Intelligent ist nur, wer etwas weiß. Für Wissen muss man lernen und verstehen. Intelligenz kann einem gelingenden Leben zuträglich sein, muss aber nicht. Der Begriff Intelligenz bleibt jedoch oft diffus. Eine künstliche Intelligenz kann in erster Linie sehr gut nach vorgegebenen Handlungsanweisungen rechnen und entscheiden. Aber menschliche Intelligenz ist aus meiner Sicht sehr viel mehr. Ich verwende dafür oft Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen. Er unterscheidet neun Aspekte von Intelligenz: z. B. sprachliche Intelligenz, bildlich-räumliche, musikalische, körperliche, spirituelle, inter- und intrapersonale.

Können Sie einen Tipp mitgeben, auf welche Kompetenzen sollte man setzen, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein und was heißt das für kommende Generationen?

Mit Anpassungsfähigkeit und der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, ist man in einer sich rasch wandelnden Welt gut bedient. Gleichzeitig ist es wichtig, sich selbst sehr gut kennenzulernen: Was kann ich gut? Was mache ich gerne? In welchem Umfeld kann ich meine Fähigkeiten motiviert und auch für andere gewinnbringend einsetzen? Es braucht einen Reifeprozess, um dies herauszufinden, und vielleicht auch viele Rückschläge. Um sich davon nicht einschüchtern zu lassen, braucht es Mut, Frustrationstoleranz und Resilienz. Die Positive Psychologie konnte nachweisen, dass Dankbarkeit und Freude am Lernen jene zwei Charakterstärken sind, die am meisten auf ein zufriedenes Leben einzahlen. Diese Kompetenzen und Eigenschaften werden auch für kommende Generationen noch relevant sein.

Gefährdet künstliche Intelligenz/TEchnologisierung/Digitalisierung bestehende Arbeitsplätze und wenn ja, kann hier entgegengewirkt werden?

Seit Beginn der Industrialisierung hat jede Automatisierungswelle jeweils einige Jobs gekostet, aber unter dem Strich eine neue Nachfrage für Arbeit geschaffen, zu höherer Produktivität und höheren Löhnen geführt. In der Schweiz entstehen durch Digitalisierung mehr Jobs. Jobs kommen und gehen. Das ist nichts Neues. Was wir aus der Industriegeschichte aber auch wissen: Die Polarisierung der Einkommen nimmt mit zunehmender Technologisierung zu. Daher sollten wir uns meines Erachtens um steigende Ungleichheiten kümmern und darum, dass jene, die tatsächlich ihren Job verlieren – zu Pandemiezeiten allerdings eher jene in den nicht-digitalisierbaren Branchen – mit Sozialversicherungen gut abgesichert sind.