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„Zukunft ist eine Frage der Entscheidungen.“

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Potenziale entfalten und Chancen ergreifen – Zukunftsforscher Carsten Fuchs im Interview mit Aylin Aslan für Globalance.

Sie sind auf die Gestaltung der Zukunft spezialisiert. Wie lassen Sie Zukunftsbilder Wirklichkeit werden?
Wir verstehen uns als Mischung von Unternehmensberatung und Zukunftsagentur. Wir benennen uns bewusst nicht konkret, da wir neben Unternehmen auch einzelne Personen, Paare und Familien begleiten. Es geht nicht um klassisches Consulting, sondern eher darum, wie sich Menschen mit schon vorhandenen Fähigkeiten, Ideen und Träumen weiterentwickeln können. Zu Beginn steht immer die Frage, warum man auf eine bestimmte Art und Weise agiert und in welche Richtung man sich entwickeln möchte. Die Teilnehmenden erstellen dann je ein Zukunftsbild, das losgelöst von äußeren Faktoren wie Budget oder Größe ist. Dieses wird dann zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Alle folgenden Prozesse wie Positionierung, Marketing und Unternehmenskultur können so viel einfacher und klarer definiert und umgesetzt werden.

Wir befinden uns derzeit mitten in der Krise. Besteht Ihrer Meinung nach eher Grund für Pessimismus oder Optimismus?
Hier sollten wir uns fragen, welche Möglichkeiten wir haben, diesen Vorgang selbst zu beeinflussen. Ich sehe Chancen in der Zeit. Wenn wir es schaffen, unsere Sicht auf die Dinge insofern zu verändern, dass wir Perspektiven als solche anerkennen und uns nicht von eventuellen Hindernissen beeinflussen lassen, dann haben wir schon viel gewonnen. Die Wahrscheinlichkeit, Erfolg zu haben, wenn man die Gelegenheit beim Schopf packt, die Krise als Chance sieht, Potenziale entfaltet und sich darauf einlässt, ist hoch. Es lohnt sich, mehr am Inneren zu arbeiten, als sich von äußeren Faktoren beeinflussen zu lassen.

Thema „Umwelt“: Was nehmen wir Positives mit? Denken Sie, dass die Menschheit zu einem wieder weniger nachhaltigen Leben zurückkehren wird?
Teils, teils. Ich denke, dass wir uns derzeit alle sehr nach einem Stück mehr „alter Normalität“ sehnen. Andererseits ist auch viel passiert, das wir angenommen haben und sicher bis zu einem gewissen Grad beibehalten werden. Weniger Businessreisen, stattdessen mehr von zu Hause aus zu arbeiten, ist sicher eine Entwicklung, wie auch eine Reduzierung der Anzahl Urlaube mit dem Flugzeug. Wir wissen nun, dass es auch anders gut geht. Es wird keine Veränderung von 100 auf 0 sein, aber es wird einfacher sein, Alternativen umzusetzen und zu akzeptieren, weil wir uns nun mit ihnen arrangieren können.

Viele befinden sich momentan aus verschiedenen Gründen in einer persönlichen Krise. Wie kann jede*r für sich den Pessimismus in Optimismus umwandeln und Stück für Stück den Weg aus dem Pessimismus finden?
Die Lösung liegt in uns selbst. Viele kommen sich derzeit ausgeliefert und machtlos vor. Und auch wenn ich einen verlorenen Job nicht zurückholen kann, so kann ich versuchen, mich auf andere Aspekte meines Lebens zu konzentrieren, die ich beeinflussen kann. Wir versuchen, Türen für neue Denkanstöße zu öffnen und Mut für Schritte zu machen, vor denen Menschen Angst haben. Denn Angst ist die größte Gegnerin in der Verwirklichung des Zukunftsbildes. Wenn sich nur schon in einer vermeintlich kleinen Sache Erfolg abzeichnet, kann der Teufelskreis der Resignation durchbrochen werden.

Wie kann Technologie uns dabei unterstützen?
Sie kann uns allen helfen, dem eigenen Zukunftsbild näherzukommen. Solche Technologien werden als Bereicherung wahrgenommen, da sie transparent aufzeigen, wie wir von ihnen profitieren können. Sei es ein Musikkurs oder ein Coaching: Wir haben im letzten Jahr am Fließband neue Möglichkeiten adaptiert. Hingegen empfinden wir Technologien, deren Sinn uns nicht transparent erklärt wird, als Bedrohung.

Wie kann ein Unternehmen trotz prekärer Wirtschaftslage seine Mitarbeitenden motivieren, optimistisch zu bleiben?
Auch hier ist Transparenz elementar. Die erste Aufgabe eines Unternehmens sollte sein, sich um die Mitarbeitenden zu kümmern. Gerade im Homeoffice brauchen sie mehr Aufmerksamkeit. Ihnen muss klar sein, dass dem Unternehmen etwas an den Menschen liegt und sie in Prozesse und Entscheidungen mit einbezogen werden. Wenn Mitarbeitende in die Zukunftsplanung involviert werden, kann eine ganz tolle, dynamische Energie entstehen, die maßgeblich zum Erfolg und der Verwirklichung des Zukunftsbildes beitragen kann. Beziehen Sie Ihre Kolleg*innen mit ein. Denn: Zukunft ist eine Frage der Entscheidungen.


Carsten Fuchs

Carsten Fuchs ist Gründer des seit 2018 bestehenden Unternehmens Fuchs von Morgen, das Menschen und Unternehmen in Sachen Zukunft berät. Vordergründig ist bei den Konsultationen immer das Potenzial, das in den Gesprächspartner* innen steckt und das durch die Erstellung eines Zukunftsbildes mit der zugehörigen Methode hervorgeholt wird. Carsten Fuchs arbeitete zehn Jahre in Agenturen, bevor er sich mit seiner Idee selbstständig machte.