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Architektin der neuen Regeln

Politisch und wirtschaftlich befinden sich die europäischen Länder in einer strategischen Zwickmühle zwischen den USA und China. Was macht Europa aus – und wie lässt sich das zum Vorteil nutzen?  

Von der antiken Weltmacht ins tief religiöse Mittelalter, von der Aufklärung über den Kolonialismus bis zu den Weltkriegen: Unser Kontinent hat schon viel erlebt. Als geografische Einheit blickt er auf eine reiche Geschichte zurück. Als politische Union hingegen ist die EU ein Jungspund auf der geopolitischen Bühne. Wer gehört zum Team – und welche Spielregeln gelten? Wie kommen all die verschiedenen Interessen unter einen Hut? Gestützt und geprägt von ihrer Vergangenheit handeln die europäischen Länder im Jetzt zentrale Fragen neu aus. Das birgt Riesenchancen, aber auch viele Risiken. Wo steht Europa im Seilziehen der Supermächte?

Die lachende Dritte? 

«In einer zunehmend bipolaren Welt ist Europa ein glaubwürdiger dritter Pol», sagt Alicia García-Herrero, Senior Fellow am Europa-Think-Tank Bruegel (BE). Als regelbasierte, demokratische Alternative mit hohen Standards ist Europa eine enorm wertvolle Partnerin – geprägt von Werten und gemeinsamen Interessen.

In einer Welt, in der sich Länder wirtschaftlich wieder stärker auf sich selbst besinnen, bietet die EU ein Modell für eine erfolgreiche transnationale Zusammenarbeit.

Von Cleantech bis zur Online-Sicherheit: Die EU exportiert Standards und Regeln in die ganze Welt, Europa spielt bei der Marktgröße sowie der Kaufkraft ganz oben mit. Der europäische Wirtschaftsraum – bestehend aus den 27 EU-Nationen sowie den 3 EFTA-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein – ist der größte Binnenmarkt der Welt. Wer Zugang zu diesem lukrativen Markt will, muss nach europäischen Regeln spielen. «Darauf sollten wir noch stärker setzen», so García-Herrero. «Langfristig gewinnt das Seilziehen, wer die besten Allianzen aufbaut. Und das könnte durchaus Europa sein.»

Rohstoffe: schwach im Fördern, stark im Verarbeiten 

Europa verfügt über wenige aktive Minen für kritische Mineralien und seltene Erden, ist aber stark im Verarbeiten, Raffinieren und Exportieren. Um die Lieferketten zu sichern, arbeitet die EU an vertieften Partnerschaften mit Afrika und Lateinamerika. Die EU-Verordnung zu kritischen Rohstoffen fördert Projekte, die Vorkommen in Europa lokalisieren und langfristig nutzbar machen.

Weltraum: im Rückstand – aber nicht verloren 

Ohne ein europäisches Pendant zu SpaceX und mit fragmentierten nationalen Programmen läuft Europa Gefahr, in der neuen Space Economy nur eine Nebenrolle zu spielen. Doch auch wenn die EU im All nicht vorn mitspielt: Die European Space Agency hat große Kompetenz, Programme wie Galileo und Copernicus sind technologisch stark. Hersteller wie Zeiss sind weltweit gefragt.

Cleantech: Stark umstrittene Poleposition 

Im Bereich erneuerbarer Energien hat die EU politisch weltweit eine Führungsrolle, verliert aber industriell an Boden: Sie setzt die Regeln, während andere Fabriken bauen. Chinesische Solar- und E-Autos sind günstiger, die USA subventionieren massiv. Bei der Windkraft spielen Nordex und Vestas mit China an der Spitze mit. Europa etabliert sich zudem als Zentrum für intelligente Stromnetze.

«Das EU-Modell gewinnt an Bedeutung.» 

Alicia García Herrero ist Senior Fellow beim Europa-Think-Tank Bruegel (BE). Im Interview erklärt sie, wie sich Europa in der Rivalität zwischen China und den USA behaupten kann. 

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