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Mut ist Klarheit im Ungewissen

Zwischen Beijing und Zürich sucht Yuan Martschnig-Wei nach dem, was uns menschlich macht. An der Schnittstelle von KI und Gesellschaft stellt sie eine drängende Frage: Was bedeutet es, im Zeitalter intelligenter Maschinen Mensch zu sein?
«Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Diese Fragen begleiten mich seit meiner Jugend. Im Zeitalter der KI bekommen sie neue Schärfe. Technologie beschleunigt Prozesse und strukturiert Entscheidungen – doch sie beantwortet nicht, was uns im Kern ausmacht.
Ich bin in den 1980er- und 1990er-Jahren in China groß geworden, in einer Zeit des Aufbruchs. Mein Vater sagte oft: Wenn wir etwas noch nicht können, lernen wir es eben. Dieser Pragmatismus prägt mich bis heute. Mit über 70 nutzt meine Mutter KI ganz selbstverständlich für Gesundheitsfragen und Wirtschaftsnachrichten. In China gilt Technologie vor allem als pragmatisches Werkzeug. In Europa wird zunächst gefragt, wo ihre Grenzen liegen.
Vertrauen wird zur härtesten Währung.
Als Kunst ein Problem löste:
In einer Ausstellung in Paris stand ich lange vor einem monumentalen Bild von Joan Mitchell. Ich wusste nicht, was ich darin sah – nur, dass es etwas in mir auslöste. Eine Woche später kam der Aha-Moment, und ich fand die Lösung für ein komplexes IT-Problem, an dem wir monatelang gearbeitet hatten. Kunst kann Denkprozesse anstoßen, die reine Logik nicht erreicht.
Viele KI-Debatten schwanken zwischen Technikfaszination und Angst. Was fehlt, ist ein Raum für gemeinsames Nachdenken: Wie wollen wir diese Werkzeuge einsetzen? Welche Verantwortung tragen wir? Mit der Creative AI Foundation schaffe ich Dialogformate, in denen Technologie und Kultur aufeinandertreffen.
Mut heißt für mich Klarheit im Ungewissen. Ich prüfe Möglichkeiten, formuliere Hypothesen und korrigiere den Kurs, wenn es nötig ist. So finde ich meinen Weg.
Wir erleben gerade einen Rhythmusbruch: Technologie skaliert in Sekunden, gesellschaftliche Reflexion braucht Zeit. In einer Welt mit KI wird Vertrauen zur härtesten Währung. Zukunft bedeutet für mich bewusste Entwicklung – und die Entscheidung, Mensch zu bleiben.»
Yuan Martschnig-Wei hat 2025 die Creative AI Foundation (CAIF) in Zürich gegründet. Die interdisziplinäre Plattform verbindet Technologie mit kultureller Tiefe und will Zürich als globalen sicheren Hafen für digitale Integrität stärken. Sie verantwortet die IT in einem Beratungsunternehmen und hat in Deutschland Philosophie, Kunstgeschichte und Psychologie studiert.

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