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Digitales Geld

Alles Krypto oder was?

Physische und mentale Fitness, Vitalität und ein gesunder Lebensstil stehen hoch im Kurs. Digitale Entwicklungen wie Bitcoin und Blockchain könnten das Geldsystem revolutionieren. Auch Facebook kündigt mit Libra eine private Währung an, die mittels Stablecoin an einen Vermögenswert oder Korb gebunden wäre und somit die Volatilitäten des virtuellen Geldes überwinden würden. PayPal steht dieser Entwicklung in nichts nach und wird in Zukunft auch einen Krypto-Service anbieten. Doch was unterscheidet eigentlich das private virtuelle Geld von unseren Fiat-Währungen?

Geld ist eine soziale Konvention und basiert auf Vertrauen. Fiat-Währungen werden von Regierungen als gesetzliches Zahlungsmittel deklariert, sind fester Bestandteil moderner Volkswirtschaften und werden von Zentralbanken herausgegeben. Wir akzeptieren es im Austausch für Waren und Dienstleistungen, im Vertrauen, dass unsere Mitmenschen dieselbe Akzeptanz aufweisen. Denn einen intrinsischen Wert besitzen die staatlichen Währungen nicht. Vielmehr ist es der Glaube an ein langfristig stabiles Preisniveau und Zutrauen in die Währungshüter, die den Wert des Geldes stabil halten. Befürworter der Kryptowährungen betrachten das Fiat-Geldsystem als in sich instabil, anfällig für Inflationsgefahren und erkennen ein ineffizientes Zahlungsverkehrssystem. Bei Kryptowährungen hingegen ist die Zahl der Digitaleinheiten begrenzt, weshalb ihnen gerne ein deflationärer Charakter nachgesagt wird. Auch der breitere, leichtere und kostengünstigere Zugang zu Finanzdienstleistungen soll mittels digitaler Währungen ermöglicht werden. Während heute weltweit noch 1,7 Mrd. Menschen keine zureichende Bankverbindung besitzen, wird die Hoffnung in technische Innovationen zur Steigerung der Konnektivität gesetzt — das Mobiltelefon als Zahlungsstelle.

Transaktionen leicht gemacht

Bei Kryptowährungen existiert keine zentrale Instanz. Bitcoin und Co basieren auf der Blockchain, einer Art denzentraler Datenbank, auf der alle Transaktionen gespeichert sind. Das soll für erhöhte Transparenz sorgen und im besten Fall zu einer Reduzierung der Steuerdelikte und Geldwäscherei beitragen. Auch die Effizienzsteigerung mit direktem Peer-to-Peer-Geldtransfer wird gerne von den Fürsprechern herangezogen — Überweisungen in Sekundenschnelle, ohne Vermittlung einer Bank und hohe Gebühren. Viele erkennen jedoch eine mögliche Gefahr für die Finanzstabilität, sofern sich die digitalen Währungen stärker und ausgeprägter mit dem traditionellen Finanzsystem verzweigen. Ein Weckruf für Politik und Zentralbanken?

Digitales Geld unter Aufsicht der Zentralbanken?

Potenzielle Regulierungen des digitalen Geldes sollten den technologischen Fortschritt aber keinesfalls bremsen. Die Möglichkeiten der neuen Technologie für mehr Effizienz, Verlässlichkeit, Sicherheit, Geschwindigkeit und Flexibilität müssten vollumfänglich ausgeschöpft werden. Steht das internationale Geldwesen am Scheideweg und folgt in Zukunft das digitale Zentralbankgeld? Mit Blick auf die chinesischen und schwedischen Vorreiter lässt sich eine augenscheinliche Marschroute erkennen.

In einigen Jahren werden wir einen digitalen Euro haben.


— Christine Lagarde, Präsidentin EZB

Die Zentralbank Chinas verfolgt das sportliche Ziel, zu den Olympischen Winterspielen 2022 eine Digital Currency Electronic Payment einzuführen. Im Gegensatz zu Kryptowährungen würde diese digitale Währung aber weiterhin unter Aufsicht der Zentralbank stehen. Auch in Schweden wird bereits ein Pilotprojekt mit einer Blockchain-basierten Währung durchgeführt. Eine Entscheidung über die Ausgabe der E-Krona gibt es aber noch nicht. Mehr als 70 Prozent der Zentralbanken prüfen derzeit die Vorzüge eigener digitaler Währungen (CBDC).